USA Reise - 1. Tag - Deutschland - Los Angeles
Wetter: Morgendliche Temperaturen kurz über 0°C, trocken, später sonnig.Der Wecker reißt uns zwischen 2.00 und 3.00 Uhr morgens aus dem Schlaf. Kaltes Wasser und später ein Kaffee im Stehen wecken die Lebensgeister, die letzten Sachen werden in das Handgepäck verstaut, ein letzter Blick durch die Wohnung - der Schalter der Kaffeemaschine steht auf "Aus", die Fenster sind geschlossen, nirgendwo brennt mehr Licht und doch hat man das Gefühl, man hat irgendetwas vergessen - und dann versuchen wir uns aus dem Haus zu schleichen. Jeder laute Schritt hallt durch das Treppenhaus.
Bernd und Marianne waren schon am Vorabend gekommen, die "Urlaubsstellplätze" für die Autos waren arrangiert, ein Plausch hier und ein "Gute Reise" dort und dann endlich gegen 23.00 Uhr für eine kurze Nachtruhe im Bett.
Als wir bei Hessi eintrudeln, steht die ganze "Meute" schon mit Sekt in der Hand wo eben Platz ist. Die Raucher im Flur, die Fotografen pendeln für die ersten Fotos von Raum zu Raum.
Hessi hat das Motto auf Schildern ausgegeben: "LÄCHELN" ist zu so früher Morgenstunde angesagt.
Um 5.00 Uhr wird schließlich zum Aufbruch geblasen. Die "Meute" entert den Bus und mit einem gesungenen "Jetzt geht's los" setzt sich der Bus Richtung Flughafen Hannover in Bewegung.
In der Abflughalle treffen wir den letzten der Reisemohikaner. Andreas, unser "Flugangsthäschen", taucht unter dem Begleitschutz von Anni auf. Renate, der man ansieht, dass Sie einen Flug zum Mond nicht überleben würde, steht etwas still abseits.
Das Einchecken ist zwar etwas umständlich, aber unproblematisch. Auch übergewichtige Koffer werden nicht so genau beäugt. Es ist schon bewundernswert, wie Stewardessen zu so früher Morgenstunde schon so freundlich sein können.
Der Abflug ist für 7.10 Uhr angezeigt.
Die KLM hat ein Cityhopper für denFlug nach Amsterdam bereitgestellt.

Die Stimmung ist erwartungsvoll und gut. Dafür sind die Sitze ziemlich eng und wir entwickeln uns schon zu kleinen Rastellis, als das Frühstück kommt und wir mit eng an den Körper gepressten Ellbogen, lockeren Handgelenken, virtuosen Fingern versuchen, Brötchen zu schmieren und die Getränke unfallfrei Richtung Futterluke zu bringen.
Unter dem Dröhnen und Vibrieren der Turboprobs hatte sich die Maschine Richtung Startbahn in Bewegung gesetzt. Als der Pilot am Start lässig die Gashebelsegel nach vorn schob, vibrierte das ganze Flugzeug, setzte sich etwas schwerfällig in Bewegung und während manch verstohlener Blick zu unseren "Flugängstlern" ging, hob die Maschine schließlich ab und das Rumpeln des Fahrwerks erstarb.
In einem weiten Bogen fliegen wir über das Steinhuder Meer, von ferne sind das Kraftwerk Landesbergen an der Weser und auch die NEAG mit ihren beiden 140 m hohen Schornsteinen zu sehen.
Nach etwa 50 Minuten beginnt der Anflug auf Amsterdam von Norden her. Unter uns liegt das Land, das die Menschen in Jahrzehnte langen Kämpfen dem Meer abgetrotzt haben.
Das Flugzeug setzt auf dem internationalen Flugplatz Schiphol in Amsterdam auf und Busse bringen uns in das Flughafengebäude.
Und nun beginnt der erste Teil des Wartens auf den Anschlussflug nach Los Angeles, der planmäßig um 12.10 Uhr beginnen soll.
Im Warteraum des Flugsteigs können wir unsere Maschine schon sehen.
Sie trägt den bezeichnenden Namen von Charles F. Lindbergh und wir sind durchaus gewillt, das als gutes Zeichen für den Flug zu nehmen. Jeder verbringt die Wartezeit auf seine Weise. Ein bisschen window-shopping, das erste Bier des Morgens an der Bar, Fotografieren, Lesen usw. Aufgeregt sind wir glaube ich alle ein bisschen. Aufmerksame Beobachter können ungewöhnlich aktive Toilettengänger beobachten.
Um 11.30 Uhr ist schließlich Boarding. Wir besteigen diesen Riesenvogel (Boeing 747 300), der sich mit einem Gewicht von 377 Tonnen in die Luft erheben kann, 13.200 Liter Flugbenzin in einer Stunde frisst und uns in knapp 11 Stunden von Amsterdam nach Los Angeles bringen soll.

Wir haben uns gerade richtig häuslich niedergelassen und die ersten Schuhe sind von den Füßen gefallen (wie gut, dass die Klimaanlage an ist), als die Stimme aus dem Cockpit über Lautsprecher kommt und uns erklärt, dass es an der Maschine einige technische Probleme gibt, die noch beseitigt werden müssen bevor wir los fliegen. Die Stimme bittet uns, wie immer bei diesen Gelegenheiten, um etwas Geduld. Während der Wartezeit bekommen wir wenigstens ausreichend zu trinken.
Um 13.30 Uhr bewegt sich der fliegende Koloss, rumpelt schier endlos lange Kilometer zur Startbahn, dreht in den Wind und mit der Starterlaubnis rollt die "Charles Lindbergh" an, wird schneller und schneller und als uns schon das unangenehme Gefühl beschleicht, die Startbahn müsse gleich zu Ende sein, hebt die Maschine die Nase in die Luft, das Rumpeln der Räder auf Beton verstummt, das Fahrwerk verschwindet in die Schächte, die Maschine beschreibt einen großen Bogen über See und nimmt Kurs auf Schottland.
Das Flighttreck erscheint auf den TV-Bildschirmen und informiert uns laufend über die Flugdaten, wie Höhe, Flugzeit, Außentemperatur und Uhrzeiten an den verschiedenen Orten des Fluges.

Der Kurs geht über Schottland, Island, Grönland über die Hudson Bay, ein Stück von Kanada, schließlich Salt Lake City, Denver, Las Vegas nach Los Angeles. Die Bodensicht ist mitunter hervorragend und so entstehen sicherlich eine Reihe von imposanten Fotos und Video-Filmstreifen.

Die Autos stehen bereit und nachdem wir uns geeinigt haben, das angebotene Versicherungspaket über Haftpflicht-, Insassenunfall- und Reisegepäck-Diebstahlversicherung abzuschließen und dafür knapp US-$ 300,--/Wagen und Besatzung auf den Tisch des Hauses zu blättern, können wir mit dem Verladen des Gepäcks beginnen.
Zwei der Wagen sind ohne Nummernschild, nur gekennzeichnet mit einer ID-Nummer, die - so versichert uns der Autoverleiher - bei Kontrollen durch die Polizei in Zusammenhang mit dem Rent-Contract ausreichend sind. Nachdem wir das Gepäck verstaut haben und die Insassen im Wagen sitzen, hat man bei näherer Betrachtung das Gefühl, als wenn die Autos tiefer gelegt worden sind. Bei den hohen Bordsteinen und tiefen Straßengossen in Amerika besteht akute Gefahr des Aufsetzens mit dem Auspuff, woran wir später einige Male unliebsam erinnert werden.
Schließlich fahren wir vom Hof, wobei sich - wie von Geisterhand - die Reihenfolge in der Autokolonne ergibt. Vorne weg die "Gang" mit Renate und Freddie im Ballast, im zweiten Wagen Jan mit Hanna und Jürgen im Schlepptau, gefolgt von Helmut und Marlene mit den vier "Schweriner Jungdemokraten" und schließlich und endlich als "Lumpensammler" Andreas, Volker, Berndt, Marianne, Elke, die Dame mit "Sturzkampfeigenschaften" und "Beisitzer" Uwe.
Diese Reihenfolge bleibt, abgesehen von scherzhaften Änderungsversuchen, während der gesamten Fahrt bestehen.
Schon jetzt auf der Fahrt nach Santa Monica werden die leichten Probleme des Kolonnenfahrens mit vier Autos offenbar: Die ersten drei Autos kommen fast immer über die Kreuzung, während der vierte bei Rot halten muss. Aber da die Vorderleute immer ein Auge im Rückspiegel haben, geht keiner verloren und wir kommen alle gleichzeitig nach einer ca. 20-minütigen Fahrt im Pacific Shore Hotel in Santa Monica an.
Doch welch eine unangenehme Überraschung ! Der Hoteleigentümer hat gewechselt und das Hotel ist im Bereich der Rezeption und der Vorhalle im Umbau. Die Deckenplatten sind teilweise demontiert, Kabel hängen heraus, der Fußboden ist mit Papier beklebt. Aber was soll's, die Bar ist noch intakt wie im letzten Jahr und die Zimmer sind nach wie vor gut.
Nach dem Einchecken tut ein wenig Relaxen oder Beine vertreten wirklich gut. Wir sind jetzt ca. 23 1/2 Stunden auf den Beinen; das und der lange Flug fordern ihren Tribut. So treffen wir uns zum Abendessen im Restaurant und so zwischen 20.00 und 22.00 Uhr verkrümeln sich die Leutchen in ihre Betten. Ein Whisky in der Bar bildet auch für Wolfgang und mich den Betthupferl.zurück
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