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USA Reise - 14. Tag - Zion National Park

Wetter: strahlend blauer Himmel und sonnig, im Canyon aber sehr kühl.

Als wir verschlafen aus den Kojen krappeln, liegt der Canyon noch in tiefen Schatten. Nur die westlichen Felswände sind schon beschienen und langsam kriecht die Sonne zum Talgrund hin.

Das Frühstück im Restaurant war - wie gewohnt - reichhaltig und deswegen ist der um 9.00 Uhr geplante Spaziergang auf den "Emerald Trail" zu den gleichnamigen Pools eine willkommene Sache.

Wer nicht weiß, was er anziehen soll bei den unterschiedlichen Temperaturen, ist am besten beraten, in die "Zwiebelbekleidung" zu schlüpfen.

Langsam steigen wir den schmalen Bergweg auf der Westseite des Canyons hinauf. Schon bald überschreiten wir die Grenze zwischen Schatten und Sonnenlicht, die ersten Pullover werden ausgezogen, das frische Grün auf den Bäumen signalisiert das Frühjahr und fröhlich schnatternd schiebt sich die Kolonne vorwärts. Der Virgin River windet sich durch Canyon und lässt mit starker Strömung seine Wasser über die im Flussbett zahlreichen Steine schnellen. Manchmal bilden sich Schaumkronen aus und das Rauschen ist bis in den Berg zu hören. Dieser Fluss und der Wind haben eine eindrucksvolle Felslandschaft geschaffen. Bizarre Dome, tiefe Canyons, hohe Zinnen und ein Felsenmeer und dazu senkrechte Felswände; fürwahr eine wilde Schlucht. Das dauernd wechselnde Farbenspiel - von Grau über Gelb, Orange, Rot und Braun bis hin zu dunklem Violett - ist unvergleichlich.

Unser Fußweg kreuzt einen Bach, der über die Felskante zu einem Wasserfall wird und etwa 20 m in die Tiefe stürzt. Über Steine im Bachbett gelangen wir auf das andere Ufer, betrachten verträumt die Schönheit dieser bizarren und schroffen Landschaft, spüren den Gegensatz von kargem Fels und sattem Grün an den Bäumen und setzen schließlich unseren Weg fort.

Der Aufstieg wird immer beschwerlicher und schmaler. Wir gelangen an das Ende dieses Seitencanyons an den "Emerald Pool". Aus der Felswand, 100 m über uns, stürzt ein Wasserfall, der eine Senke in den Fels gewaschen hat. In der Sonnenbeschienen Gicht des aufschlagenden Wassers hat sich ein Regenbogen ausgebildet.
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Das Wasser fließt in einen kleinen See ab, dessen Ufer von großen Felsbrocken, kahlen und umgestürzten Bäumen eingerahmt wird. Eine kleine Rast mit einem Schluck aus der Dose und dann machen wir uns kraxelnder Weise auf den Rückweg zum Hauptcanyon. Unterwegs sammeln wir all diejenigen auf, die nicht mit zum Pool hinunter gestiegen sind. Rastend sitzen sie wie Farbtupfer verstreut in der Landschaft. Helmut muss sich, auf einem Felsen sitzend, mit geschultertem Holzgewehr vorkommen wie Winnetou mit der Silberbüchse beim Ausspähen des Feindes. Nur die Häuptlingsfeder im Haar fehlt noch (wo soll man die auch bei diesem Haarwuchs noch hinstecken!). Das ernste Gesicht wird der verantwortungsvollen Aufgabe schon gerecht, aber der Schnauzbart will nicht so ganz in das Indianerbild passen.

Die Zeit ist fortgeschritten, und da sich ein Großteil der Gruppe um 14.00 Uhr für einen Ausritt angemeldet hat, machen wir uns auf den Rückweg und Abstieg. Der Trail führt unter dem erstbeschriebenen Wasserfall hinweg. Im Gegenlicht der Sonne erscheint der Wasserfall wie ein Vorhang glitzernder Tröpfchen und die Bäume strecken ihre noch nicht begrünten Äste wie filigrane Gebilde zum Licht. Auch hier vervollständigen Regenbogen und verkrüppelte, umgestürzte Bäume die Naturszenerie.
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Mittlerweile hat die Sonne den Talgrund erreicht, die gelblich-braunen Wasser des Virgin River transportieren Sand und Steine in schnellem Strom talwärts und die braunen mit grauen Holzschindeln gedeckten Hütten der Lodges sehen, Sonnenbeschienen, wesentlich freundlicher aus.

Die Besetzung des "Lumpensammlerautos" mit Michael als Zuladung geht auf Fototour Richtung Canyonende. Die Strasse endet am "Tempel von Sinawava", ein - mit einiger Phantasie - wie ein Tempel aussehendes Bergmassiv. Rinsale stürzen über senkrechte Wände in die Tiefe und fließen in den "Northfork Virgin River", der dann sehr weit südlich in den Virgin River mündet. Das Wasser des Flusses ist eiskalt. Der Talkessel, von hohen, vielfarbigen Felswänden umgeben, der schnellfließende Fluss und das frische Grün an den Bäumen zusammen mit dem warmen Sonnentag machen die Idylle hier aus. Den Wagen haben wir am Parkplatz stehen lassen und gehen den Fußweg weiter in den Canyon hinein, der langsam immer schmaler wird. Schließlich endet auch der Fußweg. Von hier aus gibt es eine Furt durch den Fluss, die aber bei dem augenblicklichen Wasserstand und der ungenügenden Ausrüstung nicht passierbar ist. Wir lassen diese Idylle auf uns wirken und wenn es ein Prädikat gibt, mit dem wir sie beschreiben können, so ist es: TRAUMHAFT !

Auf dem Rückweg verlieren wir (absichtlich) Michael, der auf "Abwege" gehen will und sind rechtzeitig zurück zu einem Schauspiel besonderer Güte: In einem Corral stehen all die lieben Pferdchen, die schon so viele Touristen über den schmalen Reiterweg getragen haben und warten auf die Zuteilung von mehr oder weniger gewichtigen und des Reitens kundigen Reitern beiderlei Geschlechts, deren reiterische Misshandlungen sie in der kommenden Stunde ertragen müssen. Schließlich haben die Cowboys nach intensiver Musterung der Reitwilligen die Pferde und Maultiere zugeteilt und alle sitzen in den Sätteln. Mit geduldig leidendem Gesichtsausdruck der Pferde und erwartungsvollem, angespanntem Minenspiel der Reiter, die vereinzelt mit völlig vermanschter Haltung das ebenso besagte Glück auf dem Rücken dieser gequälten Tiere suchen, setzt sich die "Karawane" langsam in Bewegung. Die Tiere, auf denen Kinder sitzen, werden von den begleitenden Cowboys an der Leine geführt.
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Bernd und ich sind von diesem Reitervergnügen ausgeschlossen worden, da wir das Gewichtslimit von 91 kg bei weitem überschreiten. (Wie weit, ist nicht Gegenstand dieser Reiseerzählung). Auch Helmut hat nach kurzem Aufsitzen auf das Reitervergnügen verzichten müssen, da die Geometrie seines Beckens und der Hüftgelenke das Spreizen der Beine über einen breiten Pferderücken nicht erlaubt.

Als die Reiterkolonne langsam unseren Blicken entschwindet, schwingen wir uns ins Auto uns fahren zum Visitor Center, um ein wenig Informationsmaterial zu ergattern und Andenken zu kaufen.

Rechtzeitig zum Empfang der "Weichgerittenen" finden wir uns wieder am Pferdestandplatz ein. Und dann kommen sie, teils vergnügt, teils im Gesicht verkniffen und in manchen Körperteilen verklemmt. Etwas steif rutschen sie aus den Sätteln, die ersten Schritte sind staksig.

Marianne hatte das "Goldene Muli" erwischt. Sie fand keinen so rechten Kontakt zu dem Tier, was sich darin äußerte, dass ihr vierbeiniger Untersatz nicht dahin wollte, wohin sie wollte. Unwillig hatte das Tier mehrmals den Kopf geworfen, wobei die Zügel über Kreuz geraten waren, was beim "Lenken" des Tieres zwangsweise ein Umdenken im Kopf des Reiters erforderte. Ich glaube, dass schließlich beide froh waren, als der Ritt zu Ende war.

Natürlich gab es von diesem Ritt eine Menge zu erzählen. Die Innenseite der "Reiterhosen" waren mit Pferdeschweiß und Staub kernig eingeritten, aber wen juckt das schon. Kleine Frotzeleien waren an der Tagesordnung. Auf dem Rückweg waren doch manche Schritte etwas steif und 0-beinig.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Ein bisschen Shopping, soweit möglich, Ausflüge nach "Sinawava" und Relaxing in der Nachmittagssonne neben den Lodges.

Die Besetzung des "Lumpensammlerautos" hat ihre beiden Fahrer, wegen deren hervorragenden Long-Distance- und Downtown-Fahrleistungen um 19.15 Uhr zum Dinner eingeladen. Den anschließenden Schlummertrunk nahmen wir gemeinsam in der Kemenate von Uwe ein.

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