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USA Reise - 17. Tag - Grand Canyon

Wetter: zunächst bedeckt, gegen 10.30 Uhr auflockernd, danach sonnig mit Wolkenfeldern, sehr windig und frisch.

Unser Weckdienst Kevin reißt uns, wie immer pünktlich, gegen 7.00 Uhr aus dem Schlaf. Nach dem mehr oder weniger reichhaltigen Frühstück in der Cafeteria geht's über den "Bride Angel Trail" ca. 200 Höhenmeter hinab in den Canyon. Der Weg ist sehr steil und beschwerlich, teilweise feucht, rutschig und mit Pferde- und Muliäppeln bedeckt. Noch ist es kühl und der Himmel von einer Wolkenschicht überzogen. Weithin sichtbar schlängelt sich der Weg hinab in den Canyon bis zu einem Plateau. Nach etwa einer s/ Stunde Abstieg drehen wir um. Der Aufstieg ist naturgemäß wesentlich beschwerlicher und benötigt fast das Doppelte der Zeit. Ganze Karawanen von Wanderern kommen uns entgegen und am Einstieg in den Trail glauben wir unseren Augen nicht zu trauen: Uns kommen zwei deutschsprachige Frauen in Stöckelschuhen entgegen und fühlen sich offensichtlich nicht einmal deplaziert in dieser Aufmachung.

Michael hat für 12 Personen einen Canyon-Flight gebucht. Der Wind fegt mittlerweile mit Stärke 5, in Böen 6 bis 7, über den Canyon und so vergewissert sich Michael telefonisch gegen Mittag noch einmal, dass geflogen wird.

Am Canyonrand angekommen, wandern wir langsam Richtung Parkplatz zu den Wagen. Die Sonne hat große Löcher in die Wolkendecke gerissen und überstrahl den Canyon. Hier, in 2.000 m Höhe, bietet sich dem Besucher ein Ehrfurchteinflössendes, grandioses Naturschauspiel, ein klassisches Erosionsbeispiel, das auf der Erde vergeblich seinesgleichen sucht. Die in vielerlei Farbschattierungen erscheinenden, vom Licht des Tages beeinflussten, Klippen und Abbrüche dieses ungeheuren Erdspaltes stürzen in einem zeitlosen Panorama auf unglaubliche Art und Weise bis in die dunkle und düstere, eine Meile tiefe Schlucht, wo sich der Colorado River stetig tiefer und tiefer in die Erdkruste eingräbt. Vor allem am frühen Morgen und vor Sonnenuntergang bietet sich dem Betrachter eine mitreisende Naturszenerie. Der Fluss transportiert täglich bis zu 80.000 Tonnen Sand, Geröll und Gestein, das sich zum größten Teil in den Stauseen ablagert. Diese "Fracht" kann bei Hochwasser des Flusses bis auf 220.000 Tonnen am Tag ansteigen.

Unterhalb des Parkplatzes, wo unsere Wagen stehen, ist der Bahnhof Grand Canyon. Beim Betrachten des historischen Zuges, der von dem Personal liebevoll gepflegt wird, fühlt man sich in die Zeit des Wilden Westens zurückversetzt. Blendlaterne und Signalglocke an der Stirnseite der Lokomotive sowie der Hindernisabweiser (beim Auto würde man Stoßstange sagen) fehlen natürlich auch nicht.
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Zwölf Leute schwingen sich mit gemischten Gefühlen in zwei Autos und fahren zum Flugplatz. Es ist mittlerweile 13.00 Uhr. Um 14.00 Uhr sollen wir starten. Buchung und Einchecken sind schnell erledigt und dann beginnt das Warten. Aus dem Flugplatzgebäude sehen wir die kleinen, zweimotorigen Maschinen (für 19 Passagiere), von Böen geschüttelt landen. So mancher bekommt bei diesem Anblick doch ein etwas flaues Gefühl in der Magengegend. Die Leute steigen aus, einige von ihnen tragen Tüten mit ihrem Mageninhalt vor sich her und entsorgen sie in die dafür vorgesehenen Behälter. Ein Passagier wird in einer Art apathischem Zustand von zwei Mitleidenden geführt.

Nach einer kurzen Reinigung der Maschine können wir einsteigen. Bei diesen Windverhältnissen ist die Trimmung des Flugzeugs offensichtlich von ausschlaggebender Bedeutung und so werden Bernd und ich als die schwergewichtigsten Passagiere auf die hinteren Sitze verbannt. Diese Maßnahme stellt sich aber sehr schnell als Vorteil für uns heraus, denn wir haben Platz für die langen Beine und sind auch, was das Fotografieren anbetrifft, wesentlich bewegungsfähiger.

Die Motoren werden lauter und langsam rollt die Maschine, immer wieder von Böen gepackt, zum Start. Dann ist es soweit. Die Motoren heulen auf und mit maximalem Schub rast die Maschine über die Startbahn. Der Pilot hat Mühe, sie auf der Piste zu halten. Schwerfällig, von den Windböen geschüttelt, erhebt sie sich langsam in die Luft, rüttelt unwillig in den Bodenturbulenzen und dann liegt die Weite dieser Hochebene unter uns.
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Wir nehmen Kurs auf den Grand Canyon, fliegen längs des "South Rim", überqueren den Canyon weit im Westen nach ca. 20 Minuten Flugzeit ändern wir den Kurs Richtung Osten am "North Rim" und kehren schließlich nach etwa einer 3/4 Stunde zurück zum Flugplatz. Das Schauspiel, das sich uns während des Fluges bietet, lässt sich schwer beschreiben. Sonne, Wolken, Schatten, Farben, Abgründe, Plateaus, Felsendome und - tempel und ganz tief unten der sich in schlammig-brauner Farbe dahinschlängelnde Colorado River. Unbeschreiblich, grandios, unvergesslich ! Und das ist es wieder, das Gefühl, in dieser so einzigartigen Natur als Mensch ganz klein zu sein und es als eine Gunst des Lebens zu empfinden, diese Natur erleben zu dürfen.
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Der Flug ist leider viel zu schnell zu Ende. Die Landung ist ähnlich rubbelig wie der Start und als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, ist das doch eine Wohltat für die ein wenig ramponierten Innereien. Wir haben es alle sehr gut überstanden, bis auf Hanna, die tapfer ein wenig "geopfert" hat. Der Kapitän hatte vor dem Start "zart" angedeutet, dass es ein wenig windig sei und dabei die Tüte demonstrativ hochgehalten.

An den Autos angekommen waren wir uns alle einig: Ein tolles Erlebnis ! Wenn wir nicht geflogen wären, hätten wir viel versäumt.
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Wir fahren zurück zum Village und steuern einige Aussichtspunkte an, um den Canyon in der Nachmittagssonne vom Rand aus noch ein wenig zu genießen. Ein kleiner Rundgang im Village Center gibt Aufschluss über die Geschichte des Canyon, die ersten Menschen, die hierher kamen und die weitere Entwicklung bis zum heutigen Tag.

Es ist außerordentlich frisch geworden und so belebt ein heißer Kaffee in der Cafeteria die durchgefrorenen Glieder. Anschließend machen wir uns auf den Weg zum 37 km entfernten "Desert View", um den Sonnenuntergang dort zu erleben und die "Flugunlustigen" zu treffen. Der Wind fegt uns hier lausig kalt um die Ohren. Im Gegenlicht der Abendsonne erscheinen die Felsvorsprünge schemenhaft grau-bläulich schattiert. Feiner Dunst hat sich in den Canyon hineingeschlichen und dämpft die Konturen.
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Auf der Rücktour werfen wir am "Yawapai"-Museum noch einen Blick auf die roten Felsen des Canyons in der untergehenden Sonne. Die Hände werden beim Fotografieren ein wenig klamm. Genug der Eindrücke für diesen Tag und zurück zu den Lodges.

Für 19.15 Uhr wird der große "Kriegsrat" einberufen. Nochmals soll die Möglichkeit, am nächsten Tag einen Abstecher ins "Monument Valley" zu machen, diskutiert werden. Das bedeutet 800 km Fahrstrecke, 10 Stunden unterwegs, keine Garantie auf Indian Sightseeing Tour durch das Valley wie im Vorjahr! Erstaunlich, dass einige aus der Reisetruppe von den vielen Eindrücken der vergangenen 2 1/2 Wochen noch nicht die Nase bzw. die Augen voll haben. Frei nach dem Motto: "Wer weiß, wann ich hier mal wieder herkomme !" oder "Möglichst viel sehen fürs Geld !" Nach nicht ganz emotionsfreier Diskussion wird entschieden, den Abstecher nicht zu machen. Die Enttäuschung steht den Fahrwilligen im Gesicht geschrieben und manchen wird das Abendessen nicht wie gewohnt geschmeckt haben. So verkrümeln sich alle gegen 21.00 Uhr auf ihre Zimmer.

Der Schlummertrunk der "Lumpensammlerbesatzung" wird begleitet von einem eigentümlichen Schlaflied. Kevin bläst auf einer Papprolle und wird assistiert von Andreas, der mit einer Bierflasche die Austrittsöffnung der Papprolle variiert und so die "Tonlagen" verändert. Das, was dabei herauskommt, ähnelt allerdings eher den Geräuschen, die bei der Entlassung von Darmgasen aus menschlichen Verdauungstrakten bisweilen zu hören sind.

Gegen 23.00 Uhr gehen alle "einen Moment in sämtliche Betten".

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