USA Reise - 2. Tag - Sightseeing in Los Angeles
Wetter: morgendlich kühl und sonnig, später teils bewölkt, teils heiter.Der Schlaf in dieser Nacht war nicht eben ruhig. Die Zeitverschiebung macht sich doch erheblich bemerkbar und als die Morgensonne durch den Gardinenspalt ins Zimmer scheint, ist es dann auch gegen 6.30 Uhr mit dem Schlaf vorbei.
Der erste Blick aus dem Fenster gilt dem Wetter. Meer und Strand liegen im Dunst der Morgensonne, ein atemberaubender Anblick und darum Panorama für erste Fotos.

Das Frühstück, das uns um 8.00 Uhr erwartet, ist genauso erbarmungs-würdig wie im letzten Jahr. Es hat sich nichts an Zusammensetzung und Qualität geändert. Die pappige Croissants mit geeister Butter, Topfküchlein unterschiedlichster Zusammensetzung und der "Bildzeitungs"-Kaffee aus Styroporbechern. Die Laune ist aber gut und es ist immerhin ein Einstieg in den Tag. Leider ist der Pool-Bereich geschlossen, so dass auch das Frühstück am Pool, so wie wir es im letzten Jahr hatten, ausfallen muss.
Gegen 10.00 Uhr krabbeln wir in die Busse und rollen in der schon beschriebenen strengen Wagenkolonnen-Reihenfolge Richtung Osten zum Farmer's Market in Westhollywood. Es ist Sonntag und die Straßen sind zu so früher Stunde noch ungewöhnlich leer. Bevor wir uns ins "Getümmel des Marktes" werfen, einige Informationen über den Bundesstaat und die Stadt, in denen wir uns befinden.
Der Name Kalifornien ist abgeleitet vom spanischen "caliente fornala", was soviel heißt wie "heißer Ofen". Als California ist der Name zunächst 1510 in einem spanischen Roman als mythische Insel erwähnt. Der Kosename dieses Staates ist "The Golden State", ca. 26,5 Mio. Bürger leben in dem bevölkerungsreichsten und drittgrößten Staat der USA. Die größte Stadtregion ist Los Angeles mit 9 Mio. Einwohnern, aber sie ist nicht die Hauptstadt, wie man meinen könnte. Die Hauptstadt ist Sacramento mit ca. 265.000 Einwohnern. Das Staatsmotto heißt "Eureca", was soviel bedeutet wie "ich hab's gefunden". Die Staatsblume ist die "Golden Popee", der Staatsbaum "Sierra Redwood", der Staatsvogel "California Valley Quale" (Wachtel). Der höchste Berg ist der "Mount Whitney" mit 4.418 m und der tiefste Punkt ist, wie wir später sehen werden, im Death Valley zu finden, und liegt 84 m unter dem Meeresspiegel. Die Hauptindustrien in Kalifornien sind in der Landwirtschaft, im Flugzeugbau, in der Raumfahrt- und Computertechnik sowie im Fremdenverkehr zu finden. Wäre Kalifornien ein selbständiger Staat, stünde sein Bruttosozialprodukt an 6. Stelle der Weltrangliste. Bei der augenblicklichen tiefen Rezession der amerikanischen Wirtschaft allerdings geht es auch den Leuten in Kalifornien wesentlich schlechter und so wandern viele aus diesem Bereich ab und versuchen in anderen Bundesstaaten ihr Glück.
Das Klima ist subtropisch mit trockenen Sommern und nach Norden hin zunehmend Winterregen. In die Zeit von 1540 und 1604 erstreckt sich die spanische Entdeckung des amerikanischen Südwestens und damit auch Kaliforniens. Als erste dauerhafte Kolonie entsteht die Mission von San Diego, der eine ganze Ära von Missionsgründungen von Franziskaner-Mönchen folgt. Diese Missionen sind sowohl religiöse als auch wirtschaftliche Zentren zugleich. Die ansässigen Indianer wurden zum katholischen Glauben bekehrt und in der Viehzucht unterrichtet. Die einzelnen Missionen liegen jeweils genau einen Tagesmarsch voneinander entfernt und bilden so ein funktionstüchtiges Kommunikationsnetz von Süden nach Norden.
1776 wird San Francisco als militärischer Außenposten gegründet. 5 Jahre später gründen spanische Siedler Los Angeles als "EI pueblo de la Reina de Los Angeles de Porciuncula".
Anfang des 19. Jahrhunderts wird Kalifornien geteilt, der nördliche Teil bekommt Monterey als Hauptstadt. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts macht sich Mexiko von Spanien unabhängig, der Indianeraufstand gegen die Missionen fällt in diese Zeit und ein amerikanischer Trapper mit Namen Smith durchquert als erster von Osten her den gesamten Kontinent.
Bis fast Mitte des 19. Jahrhunderts gehört Kalifornien zu Mexiko, die Missionen werden verstaatlicht.
1839 gründet der Schweizer John Sutter sein "Kingdom of Helvetia" in Sacramento Valley, das heutige Sacramento und gleichzeitig Hauptstadt von Kalifornien. Damit beginnt der große Treck von Überlandeinwanderern, die sich mit den geborenen "Californios" zusammenschließen, um sich zukünftig gegen die mexikanische Herrschaft aufzulehnen. Daraus wird ein ganzer Krieg, nämlich der amerikanisch-mexikanische. Die Annexion des südlichen Teils von Kalifornien mit Monterey und die Goldfunde in Sutters Mühle am American River beeinflussen nachträglich die zukünftigen Geschicke des Landes.
1850 wird Kalifornien gleichwertiger Staat in der "Federal Union".
Nach der spanischen Kolonialisierung war die Goldrauschbewegung der zweite vernichtende Schlag, der zum Zusammenbruch der indianischen Kultur führt. San Francisco verwandelt sich zur Boom-Stadt des Westens - rücksichtslos und gefährlich - wo Reichtümer über Nacht gefunden und verloren werden.
1854 wird Sacramento Hauptstadt von Kalifornien.
In den 70er Jahren wird die Eisenbahnverbindung von der Ostküste zur Westküste vollendet.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird in Kalifornien ÖI entdeckt.
1906 erlebt San Francisco seine weitgehende Zerstörung durch ein Erdbeben.
1908 entsteht das Filmzentrum Hollywood.
1928 erblickt Mickey Mouse das Licht der Welt.
1934 erlangen die Indianer Kaliforniens die amerikanische Staatsangehörigkeit.
1937 wird die Golden Gate-Brücke eröffnet.
1966 wird Ronald Reagan Gouverneur von Kalifornien und ein Jahr später ist dieser Staat der bevölkerungsreichste der USA.
1971 erschüttert ein Erdbeben das San Francisco Valley und Los Angeles. 13 Jahre später finden zum zweiten Male Olympische Sommerspiele in Los Angeles statt.
1989 erschüttert erneut ein schweres Erdbeben die Bay Area, d.h. San Francisco und Oakland.
Soviel zur Geschichte Kaliforniens und nun noch ein paar Informationen über Los Angeles. Die gesamte Stadt erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 1.200 qkm. Zwischen Hollywood und Disneyland beispielsweise liegen 50 km, doch über die vielen Freeways, die bis zu achtspurigen Autobahnen, kommt man überall relativ schnell hin. Doch für eine Durchquerung von Los Angeles von West nach Ost oder umgekehrt in der Rushhour benötigt man immerhin auch ca. 1 1/2 Stunden.
Von einigen Anlaufstationen wird noch im Rahmen unseres zweitägigen Aufenthaltes in Los Angeles zu reden sein.
Zurück zum Farmer's Market. Als wir dort ankommen erwacht der Markt gerade zu geschäftigem Treiben. Die Stände und Läden des Marktes öffnen ihre Auslagen, Ständer mit Waren werden auf die Marktpassagen geschoben und die ersten Frühstückshungrigen setzen sich mit ihrem Breakfast in Fast-Food-Verpackung an die kleinen Tische der Restaurants.

Wie viele dieser Orte verdankt Farmer's Market seine Existenz einem geschichtlichen Ereignis. Während der großen Wirtschaftskrise im Jahre 1934 schlugen hier (an der Kreuzung der Fairfax Avenue und der Third Street) 18 Farmer Stände auf, um ihre Produkte, die ihnen sonst keiner abnahm, direkt an den Mann zu bringen. Der gemütliche, fast romantische Markt wurde zu einer ständigen Einrichtung. Er öffnet Montags - Samstag um 9.00 Uhr. Abends schließt man ihn um 20.00 Uhr; dann sind die früh morgens überquellende Marktstände fast immer leer gekauft, Es gibt auf diesem Markt ein unvorstellbar großes Angebot an Gemüse, Obst, ausgefallenen Käsesorten, Fischen, Fleisch, Würstchen und frischgebackenem Brot - bis zu fernöstlichen Nahrungsmitteln. Längst wurden neben den Farmerständen auch Geschäfte für Kleidung, Schmuck, Andenken und Kunstgewerbe sowie eine Unzahl von Läden mit Kuriositäten aller Art eingerichtet. Auch viele Restaurants und Imbissstände gibt es.
Gemächlich trotten wir durch die Marktpassagen, gucken hier, kaufen dort. Motive für Fotos und Videofilm gibt es in Hülle und Fülle.
Gegen 11.30 Uhr ist das große Sammeln an den Bussen angesagt. Andreas hat sich aus einer gekauften Schale mit Obstvariationen im wahrsten Sinne des Wortes saftig bekleckert.
Während der Weiterfahrt zur Olvera Street findet aus eben dieser Obstschale die Fütterung des Fahrers statt. Die Früchte sind fürwahr eine wohlschmeckende Angelegenheit. Auf der Fahrt zur Olvera Street machen wir noch einen Abstecher über den Hollywood Boulevard, parken in der Nähe des Man's Chinese Theatre für 5 US-$ pro Bus und machen uns zu Fuß auf die Socken. Der Himmel hat sich mittlerweile etwas bezogen und mit einem leichten Fisselregen kommt auch der Wind. Es ist frisch geworden.
In den Bürgersteig des Hollywood Boulevard, der Straße der Stars, hat man große Messing-Sterne mit den Namen von Filmkünstlern eingelassen. Der Spaziergänger wandert hier über Filmgeschichte, Erinnerung an längst Vergangenes.

Das Man's Chinese Theatre ist der berühmteste Kinobau der Welt. Er hat die Form einer chinesischen Pagode und wurde 1927 mit dem Kolossalfilm "König der Könige" eröffnet. Hier wurden 15 Jahre lang - auch als Hollywood gar nicht mehr die Zelluloid-Stadt war - bedeutende Filme uraufgeführt. Die Stars aus den Filmen durften sich vor dem Kino mit Händen und Füßen im weichen Zement verewigen.

Die Abdrücke sind heute noch zu sehen. Langsam bummeln wir den Boulevard in östlicher Richtung entlang zurück zu unseren Wagen. Wir genießen das pulsierende Leben dieser berühmten Straße, mit allen ihrem vordergründigen Licht und den tiefen Schatten der menschlichen Gesellschaft, mit den schreiend farbigen Reklamen und spleenigen Typen zwischen Filmgeschichte und Mc Donald.
Kevin, unser Michael Jackson-Fan, lässt sich mit dem Konterfei des großen Künstlers fotografieren und diese denkwürdige Aufnahme auf ein T-Shirt drucken; eine fast feierliche Zeremonie, der eine ganze Menge Leute beiwohnen. Stolz verlässt Kevin mit seinem Souvenir den Laden.
Weiter geht die Fahrt Richtung Olvera Street. Diese Straße liegt mitten im Zentrum des historischen Los Angeles. Sie beginnt am Old Plaza und endet an der Macy Street. Der Old Plaza, einstiges Zentrum des Städtchens Los Angeles, beherbergt das Standbild des Gründers der Stadt: Filipe de Neve. Er war, als spanischer Gouverneur, der Anführer der ersten 11 Siedlerfamilien.
Gleich neben dem Platz in der Main Street steht die älteste Kirche der Stadt aus dem Jahre 1822, erbaut von Franziskaner-Mönchen.
Südlich vom Platz erhebt sich das Fire-House von 1884, heute Museum für alte Feuerwehrgerätschaften.
Zurück zur Olvera Street. Sie ist eine der ältesten Straßen der Stadt. 1930 hat man sie im Stil eines mexikanischen Marktes restauriert. Hier steht auch der älteste Bau von Los Angeles "Avila Adobe".
Als wir auf der Fahrt nach dem Weg zu dieser Straße fragten, hatte man uns eindringlich vor Taschendieben gewarnt und uns geraten, nur in Gruppen zusammen über diese Marktstraße zu gehen.

So schlendern wir dann langsam die Straße hinunter und betrachten voller Interesse und Faszination das muntere Markttreiben. Klänge von mexikanischer Musik an allen Ecken.
Einheimische und Besucher, die auf Mauern und Bänken oder in den Restaurants Siesta halten. Als ich eine alte Frau, die mich an die Hexe in Hänsel und Gretel erinnert, fotografieren will, merkt sie es und verscheucht mich mit zornigen Gebärden.
Nach dem Motto "Einmal hin und einmal her" landen wir schließlich wieder am Old Plaza und gehen langsam zurück zu unseren Bussen. Dort empfängt uns außerhalb des Parkplatzzaunes eine wild gestikulierende junge Farbige, die in einem unaufhörlichen, unverständlichen Wortschwall uns zu überreden versucht, ihr einen Dollar zu geben.
Gegen 13.30 Uhr rollen wir wieder Richtung Santa Monica zum Hotel.
Der Nachmittag steht jedem zur eigenen Freizeitgestaltung zur Verfügung. Die Sonne hat sich mittlerweile wieder zwischen den Wolken hervorgetraut, so dass wir mit kleiner Truppe nach Venice fahren, um uns das bunte Treiben auf der Promenade anzuschauen.

Gaukler, Artisten und witzige Typen sind zu sehen und zu hören. Und doch wird man beim Betrachten dieser Mischung von Menschen unterschiedlichster Hautfarbe, gesellschaftlichem Status und Urlaubern so ein eigentümliches Gefühl im Hinterkopf nicht los, zumal immer wieder davor gewarnt wird, alleine gegen Abend am Strand von Venice spazieren zu gehen.
Da wir die Mittagsmahlzeit ausgelassen hatten, meldet sich langsam der Magen. An einem Fast-Food-Laden bestellt sich Marianne einen "Venice Special Sandwich". Während der Wartezeit für die Zubereitung haben Bernd und ich ein Viertel einer großen Pizza längst verdrückt. Nach 10 Minuten ist das Sandwich endlich fertig und wird in Alufolie eingewickelt herausgereicht. Kennzeichen dieses Sandwichs: die Größe reicht für vier Leute, beim Essen besteht die Gefahr einer Maulsperre, Essen des Sandwichs wegen der intensive Kleckerei nur im Freien angeraten. Großherzig, wie Bernd nun einmal ist, hilft er Marianne bei der Bewältigung dieser Aufgabe und wird sprichwörtlich zum Mitesser. Marianne dagegen ist wegen der Umstände und Handhabung dieser Mahlzeit nicht gerade begeistert.

Mittlerweile hat sich der Himmel im Nordwesten verdunkelt und ein Unwetter droht uns zu überraschen. So drehen wir schließlich um und gehen zum Bus zurück. Der Wind frischt auf, es wird empfindlich kühl und ein heißer Kaffee an der Ecke gegenüber dem Parkplatz, auch wenn er noch so dünn ist, ist jetzt nicht zu verachten.
Um 18.30 Uhr starten wir zur Fahrt zum Griffith Parc, der auf dem fast 500 m hohen "Mount Hollywood" liegt und mit 16,5 qkm der größte Stadtpark in den USA ist. Auf den grünen Hügeln sind vier öffentliche Golfplätze, viele Tennisfelder, die schönsten Ferienhäuser in Kalifornien und noch mehr Picknickstellen zu finden. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen als wir zum Griffith Observatorium und Planetarium kommen. Von diesem Gebäude hat man einen herrlichen Blick über das nächtliche Los Angeles. Das Lichtermeer ist geradezu beeindruckend.

Nach einem kurzen Besuch im Observatorium treten wir den "Heimweg" zum Hotel an.
Es war ein langer Tag. Die Helden sind müde. Die Fahrer und Beifahrer nehmen noch einen Schlummertrunk in der Bar, quasi als "Lohn der Angst" des Fahrens.
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