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USA Reise - 5. Tag - Besuch im Hearst Castle

Wetter: morgendlich kühl und sonnig, gegen Abend Eintrübung und nachfolgend heftiger Regen.

Um 6.30 Uhr ist Wecken im "Best Western"-Hotel. In einem Coffee-Shop 150 m weiter mit Blick auf das Meer erwartet uns ein gewohnt gutes Frühstück. Die weibliche Bedienung ist ein "Riesenbaby" mit mindestens 1,90 m Länge, bei dem es ratsam ist, außerhalb der Reichweite zu bleiben. Aber sie ist geduldig und freundlich.

Der Weg bis zum Hearst Castle ist nur kurz. Über den Hauptweg des klinisch sauberen Parkplatzes gelangen wir in eine Art Empfangshalle, die wie ein Bahnhof anmutet. An sechs Schaltern werden hier Tickets verkauft, Andenkenläden fordern zum Eintritt auf. Auf der Rückseite des Gebäudes gibt es einen kleinen Busbahnhof. Mit den Bussen werden wir in einer etwa 10minütigen Fahrt auf den Hügel zum Castle gebracht.

Dieses Schloss ist eine monströse Kuriosität, das sich der Zeitungskönig William Randolph Hearst erbauen ließ und sich damit ein grandioses, prächtiges Denkmal setzte. Als Hearst 1951 starb, war das Schloss nach 30-jähriger Bauzeit immer noch nicht ganz fertig und trotz hunderter von Zimmern reichte der Platz nicht aus, um all die Kunstwerke unterzubringen, die Hearst im Laufe seines Lebens zusammengetragen hatte.

Hearst's Vater George hatte seinem Sohn ein Vermögen von mehr als 18 Millionen US-$ hinterlassen und eine Ranch von 16.000 ha in der San-Simeon-Bucht gekauft. Durch weitere Käufe wurde sie auf das fünffache vergrößert und erstreckte sich über 80 km entlang des Pazifik. Nach dem Tod der Mutter 1919 war William Randolph Alleinerbe und beschloss, sich auf dem Gelände ein neues Heim zu errichten. Der offizielle Anlass zum Bau des Prunkschlosses war das Gedenken an seine Mutter, der eigentliche Grund jedoch war das Bestreben seiner Geliebten, der mittelmäßig begabten Filmschauspielerin Mary Ann Davis, sich eine standesgemäße Unterkunft zu schaffen. Hearst beauftragte die kalifornische Architektin Julia Morgan auf einem Hügel der Santa Lucia-Berge, 500 m über dem Meer und fast 10 km von der Küste entfernt, ein Gebäude zu errichten, in dem genug Platz für die Unterbringung seiner Kunstschätze vorhanden sein sollte. Der Bau wurde im Jahre 1922 begonnen. Neben dem Haupthaus, in dem Hearst später selber wohnte und das bei Hearst's Tod 100 Zimmer hatte, darunter 38 Schlafzimmer, 31 Badezimmer, 14 Wohnzimmer, 2 Bibliotheksräume, 1 riesiges Speisezimmer, 1 Kino, 1 Küche und 1 große Empfangshalle, ließ er noch drei Gästehäuser mit 46 Zimmern bauen. Umgeben ist das Schloss von einem 48 ha großen Garten und einem kleinen Zoo.

Die Baukosten sind nie bekannt geworden. Schätzungen zufolge waren es 30 Mio. US-$. Der heutige Kaufwert wird auf 300 - 400 Mio. US-$ veranschlagt. Wie viel Geld Hearst für die gesammelten Kunstwerke ausgegeben hat, bleibt weiterhin im Dunkeln. Viele dieser Kunstwerke befinden sich heute in kalifornischen Museen.

Der Bus für die Tour No. 1 (es gibt 4 Besichtigungstouren) lenkt uns zum Schloss hinauf. Dort werden wir von einem wohlbeleibten Führer empfangen, bei dem man Sorge haben muss, dass er den Aufstieg über die zahlreichen Treppenstufen nicht ohne Herzinfarkt übersteht. Ein zweiter Führer geht hinterher und passt auf, dass keiner von dem Besichtigungstrupp verloren geht. Die etwa 40 - 45 Minuten dauernde Führung löst bei den Besuchern ungläubiges Staunen aus.

Was wir hier zu sehen bekommen, ist eine Mischung aus monumentaler Baukunst und Kitsch, Prunk und Protz gepaart mit Verschwendungssucht und ungezügelten Ausschweifungen, Sammlerwahn und Geltungssucht. Das Fazit, was zu ziehen ist besagt, dass Hearst eine ganz gewaltige Macke gehabt haben muss.
hearst-neptun-bad1


Wir steigen die Stufen zum Neptun-Bad empor, das mit einer antiken Tempelfassade umgeben ist. Man fühlt sich in die Zeit der Römer oder auch Griechen versetzt. Eigentlich müssten hinter den Fassaden Gestalten in Tunika und Sandalen erscheinen und das Bad bevölkern. Die Sonne lässt Säulen, den weißen Marmor der Figuren und das blau geflieste Bad in einem herrlichen Kontrast erscheinen.

Freitreppen bringen uns hinauf zum ersten Gästehaus, das in einen kleinen Park integriert ist. Diese Freitreppen sind von Säulenkoniferen und einer Vielzahl von Statuen gesäumt. Die Ausstattung der Gästehäuser lässt keine Wünsche übrig und es ist vorstellbar, dass sich die Gäste von Hearst wie im Paradies gefühlt haben müssen.
hearst-castle


Nach einem kleinen Verschnaufer im Park vor dem Haupthaus, gehen wir durch eine Seitentür in die Casa Grande, die offensichtlich der Kathedrale von Sevilla nachgebildet worden ist. Die etwa 40 m hohen Türme in spanisch-maurischem Stil geben dem ganzen das beabsichtigte palastartige Gepräge. Durch das riesige Versammlungszimmer mit seinen herrlichen Gobelins an den Wänden, Schnitzereien an den Kamineinfassungen und der wunderschönen geschnitzten Kassettendecke gelangen wir in das 30 m lange und 7 m hohe Speisezimmer mit flämischen Gobelins an den Wänden und antiken Kirchenstühlen. Die Handgeschnitzte Decke, aus Italien importiert, weist Darstellungen von Heiligen auf, und um den Raum herum sieht man die Banner sienesischer Familien.

In der Mitte der langen Tafel sind je zwei Essplätze gegenüber stilvoll eingedeckt. Den Stilbruch verursacht eine Heinz-Ketchup-Flasche und ein heute noch gebräuchliches Senfglas. Weiter führt uns der Weg durch das Billiard-Zimmer. Die Tücher auf den schweren Billiard-Tischen sind schon leicht verblichen.
hearst-esszimmer-swimmingpool


Vorletzte Station ist das Kino, in dem wir einen Kurzfilm aus der Blütezeit dieses Schlosses gezeigt bekommen. Das Kino ist für 200 Personen gebaut.

Letzte Station unserer Tour No. 1 ist das römische Schwimmbad. Dieses Bad ist überdacht und so groß, dass Hearst darüber zwei Tennisplätze anlegen ließ. Das Betongebäude ist mit venezianischen Glaskacheln in leuchtenden Farben und mit einigen Goldkacheln verkleidet, eine Arbeit, für die italienische Handwerker drei Jahre brauchten. Die Anregung dazu soll Hearst bei einem Besuch des aus dem 5. Jahrhundert stammenden Galla-Placidia-Mausoleums in Ravenna bekommen haben.

Am Ausgang des Bades erwartet uns unser Bus und bringt uns zurück in die Empfangshalle am Parkplatz.

Es ist 11.00 Uhr geworden und wir entern unsere Autos, um auf der Küstenstrasse No. 1 weiter nach Norden zu fahren. Die Fahrt wird ab und zu durch Fotostopps unterbrochen, bei denen wir versuchen, ein wenig von der Vielfalt und Schönheit, Rauheit und Idylle dieses Küstenstreifens einzufangen. Der Konvoi zieht sich manchmal weit auseinander, aber es geht niemand verloren. Während der Fahrt haben wir im "Lumpensammlerauto" eine Menge Spaß. Auf der Rückbank sitzt die Verpflegungs-Crew und schmiert Käsebrote, die Mittelbank ist für die Getränke verantwortlich und so ist für das leibliche Wohl der gesamten Crew und ganz besonders der Drivers gesorgt.

Irgendwann wird das Benzin bei uns knapp und wir müssen an die Tankstelle zum tanken. So teuer haben wir während des gesamten Aufenthaltes nie wieder getankt.

Über Big Sur kommen wir schließlich gegen 14.30 Uhr in Carmel an, wo wir zu Mittag essen. Sigrid hat mittlerweile Kreislaufprobleme bekommen und so sind Arzt und Pflegepersonal für eine entsprechende Versorgung gefragt.

Um 16.00 Uhr sitzt Jan ungeduldig in seinem Auto und dreht mehrere Platzrunden, um, wie er sagt, den Motor warm laufen zu lassen. Übrigens, die Reihenfolge der Autos im Konvoi liegt fest und hat sich auch trotz einiger untauglicher Versuche bis zum Ende der Fahrt nicht geändert. Gleich bei Monterey verläuft die Bilderbuchstrecke, der so genannte 17-Miles-Drive, an der felsigen Küste entlang.
17-miles-drive


Er beginnt am Pacific Grove Gate und führt dann an der Küste entlang und teilweise durch den Del-Monte-Wald (in dem sich viele große Villen befinden), der durch seinen reichen Bestand an Zypressen und so genannten Monterey-Pinien beeindruckt.

Ferner kommt man vorbei an malerischen Stränden, einsamen Felsen, an der Lone Cypress, dem Pebble Beach-Golfplatz und dem Hotel "Lodge at Pebble Beach", wo Einzel- und Doppelzimmer US-$ 400,-- kosten. In den "Seal and Bird Rocks" sind viele Möwenarten zuhause. Hier kann man häufig auch Seehunde und Seelöwen sehen. Vom Cypress Lookout bietet sich ein besonders schöner Ausblick auf die Pazifikküste nach Norden und Süden.

Mittlerweile bezieht sich der Himmel und es ist kalt geworden. Gegen 17.30 Uhr verlassen wir den Park in Richtung San Francisco. Bei San Jose beginnt es zu regnen. Ab jetzt wird im Feierabendverkehr auf den Zufahrtsstraßen nach San Francisco das Konvoi fahren, vor allen Dingen für das vierte Auto, eine Höllenfahrt. Wir wissen nicht mehr wie, aber wir treffen alle zusammen am Hotel "York" im strömenden Regen ein. Das Einchecken ist etwas umständlich, aber schließlich haben alle ihr Zimmer und auch die Autos sind in der Garage untergebracht.

Michael ist auch eingetrudelt und so gibt es eine Bierparty im kleinen Kreise im Zimmer 306.

Es war ein langer Tag mit vielen, vielen Eindrücken und so ist für den Abend Ausruhen angesagt.

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