USA Reise - 9. Tag - Oakhurst - Fresno - Sequoia National Park - Visalia – Bakersfield
Wetter: morgens Bindfaden-Regen, später sonnig und warm.Früh sind wir aus den Betten gekrochen und kurz vor 7.00 Uhr treten die ersten mit gepackten Koffern aus ihren Zimmern in die Pfützen des Parkplatzes. Es hat in der Nacht kräftig geregnet, alles ist klatschnass und beim Einladen des Gepäcks in die Autos, die unter Bäumen stehen, haut so mancher schwerer Tropfen durch das mehr oder weniger lichte Haar massiv auf die Kopfhaut durch.
Nebel und tiefe Wolken steigen aus den Tälern auf, die Morgensonne kämpft sich mühsam durch die träge dahin ziehenden Regenwolken und hat für eine kurze Weile freien Ausblick in den Frühstücksraum des Restaurants. Amerika hat auf Sommerzeit umgestellt. '
Die Kniewunde von Elke ist bei einer unglücklichen Beuge-Bewegung wieder aufgeplatzt und hat reichlich roten Lebenssaft ausfließen lassen - zu deutsch: Sie hat geblutet wie ein Schwein. Bernd und Marianne haben die Bordapotheke wieder bemühen müssen und mittels Kompresse und Verbandszeug die Sache in den Griff bekommen.
Kurz vor 9.00 Uhr sind wir nach dem Tanken wieder auf Achse. Es dauert nicht lange bis Uwe bemerkt, dass er seine Jacke im Hotel hängen gelassen hat. Da wir schon etliche Meilen hinter uns haben und er in der Jacke nichts zurückgelassen hat, betrachtet er die Angelegenheit als unfreiwillige Kleiderspende für diese Not leidende Region.
Über Tal und Hügel, die uns leicht "schwarzwaldverdächtig" erscheinen, erreichen wir auf der Road 41 Fresno.
Fresno ist die achtgrößte Stadt Kaliforniens und liegt etwa auf der Mitte zwischen Los Angeles und San Francisco im Bereich des Mittelmeerklimas. Letzteres bedeutet, dass im Jahresdurchschnitt die Temperaturen um 20°C liegen und Fresno etwa 300 Sonnentage hat. In seiner Nähe liegen die Nationalparks Kings Canyon und der Sequoia. Zu letzterem wollen wir einen Abstecher machen.

Die günstigen klimatischen Bedingungen haben bewirkt, dass riesige Obstplantagen angelegt worden sind. Wir biegen auf die Road 180 ab und fahren kilometerweit durch Obstbaumanpflanzungen auf die Berge der Sierra Nevada zu. Je höher wir hinauf in die Berge kommen desto mehr nehmen Nebel und Wolken zu und verwehren uns zeitweilig den Blick in die Täler. Zwischendurch reißt der Himmel auf und Sonnenstrahlen überfluten die grünen Hänge, bevor sich dicke Wolkenwände wieder vor die Sonne schieben. Nach kurzen Pausen erreichen wir schließlich über den Kings Canyon Highway von Westen her den Sequoia National Forest mit den Grant Grove den Eingang zum Sequoia National Park. Doch zunächst bleiben wir im Grant Grove, um uns den General Grand Tree anzuschauen. Wir sind hier in einer Höhe von über 2.000 m und so nehmen wir es als nicht ungewöhnlich hin, dass Schnee noch weite Teile dieser Parklandschaft bedeckt. Auf dem Parkplatz am Grant Grove angekommen, empfangen uns in Gruppen oder einzeln die mächtigen Sequoien, eine Sumpfzypressenart, die, den Mammutbäumen ähnlich, bis zu 100 m hoch, ca. 10 m im Durchmesser und 3.500 Jahre alt sind.
Hier noch einige Informationen zu diesen ungewöhnlichen Nationalparks. Beide bedecken im mittleren Süden der kalifornischen Sierra Nevada ein abgeschiedenes Hochgebirgsland, mit majestätischen Granitgipfeln, tiefen Schluchten, Bergseen, Flüssen und prächtigen Wäldern. Im Westen werden die Parks vom San Joaquin Valley und im Osten von der Sierra Nevada begrenzt, in der auch der Mount Whitney und viele andere Berge über 3.000 m auf die Parks herabblicken.
Wegen der großen Höhenunterschiede sind im Nationalparkgebiet drei große Klima und Lebenszonen anzutreffen. Trockene und schneefreie Niederungen und Hanglagen bis 150 m Höhe sind von Grassteppen und niederem Buschwald bedeckt. Silberfuchs, Luchs, kalifornisches Eichhörnchen, Stinktier und Waschbär sind hier anzutreffen. Die mittlere Höhenlage bis 1.200 m wird von dichten Nadelwäldern bedeckt. Hier ist neben Rot- und Weißtanne, der Kiefer und Zeder, auch im wesentlichen der Mammutbaum zu finden. Im Winter gibt es hier nicht selten Schneedecken von 2 – 4 1/2 m Dicke. Rotwild und Schwarzbär sind in dieser Landschaft häufig, vereinzelt auch der Puma anzutreffen. Im Hochgebirge über 1.200 m steht schütterer Wald bis zur Baumgrenze. Darüber gibt es nur Bergwiesen und kahle Fels- und Schotterhänge.
Zurück zum Grant Grove, in dem sich das erste Prachtexemplar von Mammutbaum, der General Grand Tree, mit seinen fast 82 m Höhe und einem Umfang von knapp 33 m hoch in den Himmel reckt. 18 - 20 Menschen sind nötig, um mit ausgestreckten Armen den Baum an seiner Basis zu umfassen. Diese Menschen machen sich wie Winzlinge neben diesem Baumgiganten aus. In diesem Wald sind auch umgestürzte bzw. gefällte und ausgehöhlte Mammutbäume zu sehen. Menschen aus dem vorigen Jahrhundert haben diese ausgehöhlten Baumstämme als Wohnung benutzt.
Der Besuch im Grant Grove ist nur von kurzer Dauer. Graupelschauer und Sonnenphasen haben sich abgewechselt und es ist mittlerweile Mittag geworden als wir wieder in die Autos steigen und weiter nach Südosten zum Giant Forest fahren. Das Wetter wird immer schlechter. Wolken, Nebel, Regen und Graupel machen den Besuch in diesem sonst so sehr schönen Park sehr ungemütlich. Ein warmes Plätzchen und ein warmes Süppchen wären jetzt sicherlich eine gute Sache. Doch vorher gibt es noch einen kurzen Halt am Sherman Tree. Dieser mächtigste Mammutbaum (84 m hoch, über 11 m Durchmesser und 31,5 m Umfang), 3.000 Jahre alt steht in einem der wenigen Mammutbaumwälder, in welchem wegen der Dichte des Bestandes keine anderen Hölzer gedeihen. Über vereiste, klitschige und nasse Wege stolpern und rutschen die Fotofreaks zum Fuß des Baumes hinauf und es ist gar nicht so einfach, in dichtem, feinen Regen und Graupelschauer dieses Sonderexemplar von Baum mit dem Weitwinkelobjektiv auf die Platte zu bannen. Halb durchnässt geht es in schlitterndem Laufschritt zurück zu den Wagen.
Gegen 13.30 Uhr kommen wir im Giant Forest Village doch noch zu einer warmen Mahlzeit und ein wenig Ausruhen. Aus dem Trockenen heraus findet man schon Muse, sich die vor der Tür stehenden Baumriesen anzuschauen und den Menschen, die wie Ameisen um die Baumfüße herumlaufen, nachzublicken.
Am frühen Nachmittag geht die Fahrt wieder abwärts über Serpentinen Richtung Südwesten. Je tiefer wir kommen desto besser wird das Wetter wieder. Nebel, schlechte Sicht und Regen begleiten anfänglich diese Abfahrt. Die Ausfahrt aus dem Park Gate bringt uns auf die Road 198. Die Sonne hat sich entschlossen, unseren weiteren Weg zu begleiten, als wir - am Lake Kaweah vorbei - einer Apfelsinenplantage einen Besuch abstatten und dort für wenig Geld herrliche Apfelsinen und Pampelmusen erwerben. Von dem kleinen Store hat man einen traumhaften Blick auf ein Anwesen, das auf einer Anhöhe inmitten der Plantage unter schattigen Bäumen steht. Ich kann nicht widerstehen, dort hinaufzugehen, um Fotos zu machen und den Blick auf die Sonnen überfluteten Plantagen zu genießen.

Weiter geht's in Richtung Highway 99 nach Bakersfield. Auf dem Weg dorthin ist unsere Verpflegungscrew (Uwe und Elke) mit dem Pellen der erworbenen Früchte beschäftigt. Die Apfelsinen und Pampelmusen sind wahrhaftig eine Köstlichkeit.
Als der Tag zur Neige geht, haben wir unser Domizil, das "Days Inn", erreicht und checken ein, bevor wir uns gemeinsam auf den Weg zum "Sziller's" machen, um ein ausgedehntes Abendessen zu uns zu nehmen. Gegen 21.00 Uhr sind wir zurück im Hotel. Inzwischen hat sich ein mehr oder weniger großes Problem aufgetan: Peter und Siegrid wollen in Las Vegas heiraten. Alle wissen es mittlerweile inoffiziell, keiner jedoch offiziell. Da weder Peter noch Siegrid der englischen Sprache mächtig sind, hoffen sie das die Gruppe den offiziellen wie auch inoffiziellen Teil dieses "Unternehmens Heirat" regelt und sie im wesentlichen eigentlich nur noch gegenseitig "Ja" sagen müssen. Jedoch ist alles und nichts geregelt, keiner tut etwas, weil keiner offiziell etwas weiß. Es ist lustig zu sehen, dass im wesentlichen alle Anteil nehmen im Sinne "man müsste doch...", wie Diskussionen in kleinen Grüppchen stattfinden und Sondierungsgespräche ablaufen. Ich bin gespannt, wie sich die ganze Sache weiter entwickelt.
Schließlich bleibt das "Fähnlein" der 10 - 12 Aufrechten für einen etwas ausgedehnteren Absacker in der Lounge. Soviel ich weiß, waren alle schließlich gegen 22.30 Uhr zumindest auf ihren Zimmern, wenn nicht sogar in den Federn.
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